Was fühlst du?
Was bist du?
Doch nur ein Tier
Rammstein, "Tier"
Die Gangrel verkörpern, was viele andere Kinder der Nacht am meisten fürchten: Die gnadenlose Wahrheit der inneren Bestie.
Anders als andere Kinder der Nacht, die komplizierte höfische Regeln etablieren, sich in theoretische Studien vergraben oder kulturellphilosophische Erklärungen (und Entschuldigungen) dafür finden, was sie sind, haben die meisten Gangrel die Wahrheit im Herzen des Blutes gesehen – und akzeptiert.
Verkörpern die Deava den perfekten sinnlichen Jäger, so verkörpern die Gangrel das perfekte Raubtier. Ihre Mächte über das Tierreich und die Gabe, die Gestalt von Tieren anzunehmen, verschaffen den Gangrel Einblicke in die Beziehungen zwischen Jäger und Beute, welche die aus zivilisierten Menschen erschaffenen, im Tode ebenso zivilisierten Vampire nie sehen und erfühlen können.
Es existiert eine scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen den Tieren näher stehenden Gangrel und jener Mehrzahl der Vampire, die sich auch im Tode weiterhin als Kulturwesen betrachten. Kein Wunder, dass die zivilisierten Vampire auf die Gangrel hinab blicken und sie gleichzeitig um ihre Einblicke in die für sie fürchterliche Wahrheit des Raubtieres fürchten. Kein Wunder, ebenso, dass die meisten Gangrel den Spielen und Intrigen der vampirischen Höfe fern bleiben, oder mit wölfischem Grinsen jene Regeln und Konventionen brechen, die andere als Schutzmantel vor der Wahrheit um sich errichtet haben.
Die Gangrel ersetzen das Theoretische durch das Praktische. Sie verzichten auf jedes Hätte Würde Könnte zugunsten des Seins. Und wenn sie eine Frage überhaupt beantworten, so tun sie dies meist mit erschütternder Direktheit.
Solche Tierhaftigkeit im Denken ist natürlich nicht ohne Gefahr. Und solche Weisheit kommt zu einem Preis: Je älter ein Gangrel wird, desto mehr läuft er Gefahr, selbst zum Tier zu werden.
Damit ist n i c h t gemeint, dass er die äußeren Merkmale eines Tieres entwickelt. Aber seine Entfremdung von der Zivilisation und der menschlichen Art zu denken macht es ihm immer schwerer, menschliche (oder zivilisierte vampirische) Reaktionen abzuschätzen und „sozial korrekt“ darauf zu reagieren. Diese Schwäche bewirkt wiederum eine stärkere Isolation, die den Effekt der Entfremdung weiter verstärkt – ein Teufelskreis, der die Ahnen des Clanes zu fremdartigen, instinktgetriebenen Schrecken der Nacht werden lässt, vor denen die Blutsverwandten sich angstvoll verkriechen.
Die meisten Gangrel sind wohl unter den Freien zu finden, doch wenn sie sich einem Bund anschließen, so ist es mehr als jeder andere der ZIRKEL DER MUTTER, der die tierhafte Seite der Gangrel anspricht. Eine gewisse Zahl der Gangrel kann sich auch für die Ideale der CARTHIANER erwärmen, auch wenn deren Lust zu theoretischen Debatten viele Gangrel im Laufe der Zeit wieder abschreckt. Die anderen Bünde üben nur auf vereinzelte Gangrel einen Reiz aus, aber wenn sie sich einem solchen anschließen, gehören sie zu den Furcht einflößendsten Mitgliedern ihrer Kabale.
B E R L I N E R B L U T
Neben den Nosferatu und den Ventrue behaupten auch die Gangrel, zu den ältesten Geblüten auf Berliner Boden zu zählen. Zentrale Legendengestalt hierbei ist ein Knabe namens S i g m u n d, der zu germanischer Zeit ins Römische Imperium entführt worden sein soll, wo er alleine Zeuge des Niedergangs jenes Reiches wurde. Als das Römische Imperium verging, soll er in jene Ödnis gegangen sein, in der heute Berlin steht – und überdies soll er sich noch immer oder wieder erneut unter den Wandelnden befinden – und sich verborgen halten. Natürlich sind jene Erzählungen aufgrund der mündlichen Tradition des Blutes Gangrel nur das: Eben Erzählungen. Tatsächlich gibt es nichts, was jene Geschichten von einem verborgenen Gangrel-Ahnen (über den sich Grigori ausschweigt) stützen würde – wohl aber deutliche Hinweise, dass die Mär vom "Prinzen von Berlin" Sigiswald bzw. von Sigmund, der "Hand des Invictus" zu Berlin, irgendwo in Amerika entstanden sei, und dies zudem erst in jüngeren Jahren.Sei es wie es sei: Jene Berliner Gangrel, die sich in den Hof der Domäne involvieren, suchen in jüngerer Zeit den Kontakt zueinander zu stärken. Und dieses Bestreben geht mit Sicherheit auf keine Sagengestalt, sondern auf niemand Geringeren denn den Clansältesten G r i g o r i zurück, der sich Zeit seiner Herrschaft über die Domäne den Manipulationen anderer Familien ausgesetzt sah und wohl vermutete, dass mindestens die Mekhet und Nosferatu auch bundübergreifende Absprachen im Familienkreise träfen.
Mittlerweile ist Berlin förmlich ein Anlaufpunkt von Wilden aus allen Himmelsrichtungen geworden – und dies wiederum lässt auch jenen, die über das Gerücht eines geheimen Gangrel-Ahnen hinter Grigori vor Kurzem noch lauthals gelacht haben das Lachen auf den Lippen ersterben: Schließlich braucht eine Erzählung nicht wahr zu sein, um Macht zu haben. Oder das Antlitz einer Domäne nachhaltig zu verändern.
A K T I V E C H A R A K T E R E
G R I G O R I -- der KlauenmeisterErschaffer : Grundhild
Bund : Invictus
Als "Zorn" des Invictus war es lange Jahre Grigori, der Probleme im Auftrage seines Ventrue-Herren Marius löste, die sich durch Diplomatie oder Drohung nicht mehr lösen ließen. Man kann beileibe nicht behaupten, dass es Sympathie gewesen wäre, was ihn mit der Herrschersippe um Marius oder umgekehrt diese mit ihm verbunden hätte, aber Grigoris Glaube daran, mit dem Invictus auf der Seite der Gewinner zu stehen, sollte sich am Ende doch auszahlen. Hätte man an sich erwartet, dass der Domänenälteste Matthäus am Ende des Kabalenkrieges wenn dann einen gemäßigten Vertreter des Invictus auf den Thron bringen würde, war dessen Wahl des kriegerischen Grigori ein deutliches Memento an die blutigen Nächte, welche die Domäne 2005 just hinter sich gebracht hatte. Überraschend war, dass Grigori nur anderthalb Jahre später aus eigenen Stücken(?) den Thron an den Ventrue Faust abtrat, für den er mittlerweile erneut als Klaue tätig ist. Für die Gegner der Unbezwingbaren bleibt der frühere Markgraf der Krongüter und jetzige Herzog Grigori eine schwer zu fassende Größe, deren Bedeutung mit jedem nach Berlin einreisenden Kind ebenso zunimmt wie das Gerücht, er sei der Enkel Sigismunds – und dessen "Klaue" in Berlin.
J E N I S -- die ReumütigeErschaffer : Alexander Murnau
Bund : Zirkel der Mutter
Nach allem, was man über sie weiß -- und das ist nicht viel, dafür aber umso interessanter -- wurde Jenis in einem Ostberliner Gefängnis vor Fall der Mauer erschaffen, und zwar durch den Berliner Präfekten Murnau. Was natürlich die Frage aufwirft, wie dieser ebenso joviale wie angeblich "bürgerrechtsnahe" Gangrel freien Zugang zu einer diktatorischen Haftanstalt erhielt und was er zum Geier zu jener Zeit überhaupt dort zu schaffen hatte -- er, der angeblich junge westdeutsche Carthianer aus Bremen -- oder Trier -- der früher kaum Verbindungen zu Berlin gehabt haben soll. Anverwandte, die sich an die Zeit erinnern, da der Zirkel Teil des Haus der Schmerzen war und Murnau jenes Haus neu begründete, können nur lachen ob der Farce, mit der Erschaffer und Kind ihre angebliche "Meinungsverschiedenheit" betreffs Jenis Wahl des Zirkels inszenierten. Ein wenig ZU Offensichtlich schien, dass Murnau über Jenis versuchte den Zirkel "heim ins Reich" zu holen, indem er diesen vom Invictus zu trennen und für die Carthianer bzw. das "Haus der Dornen" zu gewinnen hoffte. Farce und Maske scheint überhaupt das bestimmende Prinzip der Beziehung zwischen Kind und Erschaffer zu sein, beteuerte Jenis doch zuvor noch wie inniglich ihre Beziehung zu Murnau angeblich sei, nur um dann in der Nacht seines Todes ihm weder zu helfen noch eine Träne über seine Zerstörung zu vergießen. Dieses verräterische Gebaren hat ihr angeblich in der Folge einige Anfeindungen innerhalb ihres Clans eingebracht. Nun wurde aus sehr übereifrigen, wenngleich schmierigen Quellen ihres Dunstkreises bekannt, dass eben diese Jenis Mitleid ausgerechnet mit Ibanez gehabt haben soll und ihn in ihrer Residenz versteckt hält. Nur eine komische Art von Reue oder Wiedergutmachung gegenüber ihrem Erschaffer? Oder steckt viel mehr dahinter?
L O K I -- der Wächter
Erschaffer : Grigori
Bund : Zirkel der Mutter
Loki verdiente sich das Recht, das Blut seines Erschaffers zu empfangen, im Kampf. Indem er einen anderen Menschen besiegte. Tötete. Und so noch vor der Erschaffung die Unschuld verlor. Seither hat man eine ganze Weile lang nichts mehr von ihm gehört: Grigori schirmte seinen Spross sorgfältig vor den Unbilden der Domäne ab, um ihn erst im Herbst 2007 im Rahmen eines von Krisen umgebenen Hoftreffens des Invictus wieder in Erscheinung treten zu lassen und ihn umgehend danach auf "Reisen" zu schicken. Mit Abschluss seiner Wanderschaft im Herbst 2009 – offenbar eine Sitte in Grigoris Linie – ist Loki freigesprochen worden und hat sich gegen den Invictus und für den Zirkel entschieden. Was ein Skandal wäre, wenn nicht auch die größte Harpyie in Berlin Angst hätte, beim Klatschen von Grigori geklatscht zu werden.
R U N A -- die RunenklaueErschaffer : Grigori
Bund : keiner
Runa ist das jüngste Kind Grigoris. Erstmals tauchte sie im Herbst 2009 auf einer Einladung Grigoris auf, zusammen mit ihrem Bruder Loki. Anders als es die Berliner Sitte vorsieht, wurde Runa nicht vor dem versammelten Hof erschaffen – ein Affrond, den sich eben nur ein Ahnherr zu leisten erlaubt. Anders als Loki hat Grigori sein Kind Runa scheinbar bei jedem Treffen in seiner Nähe. Ob es Zufall ist, dass Grigoris Kinder alle germanische Namen tragen?
A B R A X A S -- der Valrave
Erschaffer : Roweena
Bund : Zirkel der Mutter (Haus der Dornen)
Abraxas betrat erstmals bei der Freinacht im November 2009 die Domäne. Aus Richtung Amsterdam kommend, scheint er zur dortigen alternativen Künstler- und Musikszene gerade der Siebziger- und frühen Achtziger einigen Kontakt zu haben und Teil des damaligen Hausbesetzermilieus gewesen zu sein. Kein Wunder vielleicht, dass er sich mit dem "regierungstreuen" Kurs des Zirkels daher wenig identifizieren kann und sich umgehend dem Haus der Dornen angeschlossen hat, zu dem er schon früher Kontakt gehabt haben soll. Ebenso möglich, freilich, dass der Zirkel neben dem "Inspizienten" als Beobachter des Sanktums auch einen Spion und Beobachter im Umfeld der Dornen und Justinians platziert haben...
S E L T E N E G Ä S T E
N E M E S I S -- die KralleErschaffer : Nikolai
Bund : Ordo Dracul
Es existieren Gerüchte, wonach der frühere Fürst und amtierende Gangrel-Älteste Grigori die Kunde verbreiten lässt, "seine" Domäne Berlin sei ein guter Jagdgrund für den wilden Clan. Wenn dem so sein sollte, erklärt dies zumindest die schrittweise und stetige (und wie es aussieht: unaufhaltsame) Zureise von Gangrel, die in den Augen einiger wenig Begeisterter bereits das Maß einer "Wanderbewegung" angenommen hat. Ob Nemesis – und andere wie sie – eingeladen wurden oder nicht, ist letztlich nicht bekannt. In jedem Fall aber stellt sie eine gewisse Besonderheit dar dahingehend, dass sie – wie auch Murnau – über einen ausgeprägten Hang zum Intellektualisieren verfügt, der – pardon, einstige Majestät – in diesem Clan sonst eher selten vermutet wird. Nemesis verfügt als Nummer zwei im Bund der Ordo Dracul und Kind des Magdeburger Gangrelahnen und Oberdrachen Nikolai über mehrfache starke Bindungen nach außerhalb, und so mutmaßt man an ihrem Wirken stets auch die größere Spannweite der Drachenschwingen ihres fernen und doch vielen zu nahen Blutgebers zu erkennen. Jüngst geriet Nemesis in Verdacht, eine andere hochgestellte Persönlichkeit der Berliner Drachen angegriffen und womöglich sogar an die Brut des Belial überstellt zu haben. Schnell aber stellte sich heraus – oder wurde behauptet – dieser Vorwurf basiere auf einer Intrige der Brut, die sich speziell den Orden des Drachen als Ziel genommen habe und diesen entzweien wolle.
M A H A K A L I -- das LöwenjungeErschaffer : unbekannt
Bund : bundlos
Die junge Gangrel Mahakali hat beim Hoftreffen im Februar 2008 gemeinsam mit ihrem "Ziehvater", dem Ventrue Gáspár, die Öffentlichkeit der Domäne betreten. Auf die Frage nach ihrem Erschaffer wies sich Gaspar als ihr Vormund aus, alle weiteren Nachfragen seien überflüssig und besagte Pflegetochter stehe unter seinem persönlichen Schutz. Eine Zeile später fügte er an, dass ein Kind der Árpáden alle Schuldigkeiten zu gegebener Zeit begleiche. Ob dies eine Drohung sein sollte, blieb unklar. Gewiss scheint allerdings, dass anfangs ein sehr enges Band zwischen dem Ventrue und der jungen Mahakali bestand: selten wich sie mehr als wenige Meter von seiner Seite und Gespräche schien sie ausschließlich mit ihm zu führen. Inzwischen aber sind jene Gespräche seltener geworden, und seit der Graf dem Berliner Invictus beigetreten ist sieht man Mahakali immer öfter getrennt von ihm in dunkles Brüten versunken. Auffallend war hierbei, dass mit einer Zunahme von Gerüchten über eine bevorstehende "Freisprechung" der Mahakali auch Sympathiebekundungen der jungen Gangrel für die Ideen der Schwarzen Rose zunahmen – dies, wiederum, schien auch dem Grafen nicht entgangen zu sein, der sein Ziehkind offenbar an die kurze Kette legte, so dass diese zuletzt nur noch höchst selten – und niemals alleine – anzutreffen war.
P A R I S -- der GerechteErschaffer : unbekannt
Bund : Carthianer (Haus der Dornen)
Dieser Vampir betrat erst vor wenigen Nächten die Domäne Berlin. Außer den oben gemachten Angaben ist noch nichts weiter über ihn bekannt geworden in der Domäne. Auch haben die Harpyien und Gerüchteverbreiter sich seiner noch nicht angenommen, so dass er einstweilen das Dasein eines unbeschriebenen Blattes in den Chronologien der Domäne Berlin führt. Vermutlich, jedoch, nicht lange.
raben-aas, 01:38h

